Beispiele für den Konsumentenpreisindex (KPI)
Konsumentenpreisindex
Versorgung französischer Soldaten 1799-1801
Die 23000 Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Glarus hatten für die Einquartierung der französischen Soldaten 1799-1801 eine Summe von 1,332 Millionen Franken (1801) zu tragen (Dürst 1951). Den Löwenanteil dieser Ausgaben machten Lebensmittel aus, weshalb eine Umrechnung durch den Konsumentenpreisindex (KPI) naheliegt. Diese ergibt für das Jahr 2009 einen Betrag von 18 Millionen Franken.
Brotpreis im Hungerjahr 1817
Auf dem Höhepunkt der Teuerung im Juni des „Hungerjahres“ 1817 kostete ein Pfund Brot in Basel 39 Rappen. Gemäss dem Konsumentenpreisindex (KPI) entspricht dies 2009 einem Preis von 3.18 Franken. Der Historische Lohnindex (HLI) hingegen führt einen Wert von 45.60 Franken auf. So viel wäre ein Pfund Brot im Verhältnis zum heutigen Lohnniveau wert. Daraus lässt sich die Wirkung der Krise auf damalige Arbeitnehmende unter heutigen Bedingungen abschätzen.
Wie teuer war 1919 ein Ei?
Im Teuerungsjahr 1919 war ein Ei für 60 Rappen erhätlich (Statistisches Amt Stadt Zürich 1923). Gemäss dem Konsumentenpreisindex (KPI) entspricht dies 2009 einem Preis von 2.81 Franken. Der Historische Lohnindex (HLI) hingegen führt einen Wert von 9.16 Franken auf.
Preis einer Büchse Ovomaltine 1904
1904 kam erstmals das Produkt Ovomaltine für einen Preis von 3.25 Franken pro Büchse auf den Markt. Gemessen am Konsumentenpreisindex (KPI) entspricht dies 2009 40 Franken. Das Getränk wurde anfänglich als «Kraftnährmittel» für Kranke und Rekonvaleszente lanciert und war nur in Apotheken und Drogerien erhältlich. Industrieprodukte waren bis vor dem Ersten Weltkrieg in den Haushalten kaum präsent; der Kauf von Markenprodukten blieb den Oberschichten vorbehalten (Berger 2002).
Konsumentenpreisindex oder Historischer Lohnindex?
Vermögensnachweis für die Aargauer Grossratswahl
Für die Wahl in den Grossen Rat wurde in den Verfassungen der meisten Kantone während der Restaurationszeit (1815-1831) der Nachweis eines Mindestvermögens (Zensus) verlangt. Im Kanton Aargau betrug dieses 10'000 alte Franken (Nabholz, Kläui 1947). Wird eine Wertsteigerung entsprechend dem Preis des Konsumentenpreisindexes (KPI) angenommen, wäre dieser Betrag 2009 13'543 Franken wert. Wird die Lohnentwicklung und damit der Historische Lohnindex (HLI) als Massstab betrachtet, führt dies auf 116'900 Franken von 2009. Beide Ergebnisse sind vertretbar: die erste Berechnung mit Verweis auf die grossen Bedeutung von Lebensmitten als Gradmesser des Reichtums in der Agrargesellschaft (Pfister 1995: 294-295) und die zweite mit dem Argument der vorrangigen Kapitalbildung durch Arbeit.
Preis des VW Käfers 1948
Im Jahr 1948 trafen die ersten Käfer zum Preis von 6'350 Franken in der Schweiz ein (Coop-Zeitung 5.1. 2010). Wäre der Preis dieses Wagens seither im Ausmass des Konsumentenpreisindexes (KPI) gestiegen, hätte er 2009 29'493 Franken gekostet. Wäre er im Ausmass des Historischen Lohnindexes (HLI) gestiegen, hätte er gar 61'224 Franken gekostet. Demnach sind Autos in den letzten Jahren gemessen an den Löhnen erheblich billiger geworden. Zugleich haben sich Ausstattung und Technologie verbessert. Aus diesem Grund ist es eher angemessen, als Ausgangsjahr 2009 zu wählen und heutige Löhne auf das Zieljahr 1948 zurückzurechnen. Einem Lohn von 130'000 Franken mit 2009 als Ausgangsjahr entspricht einem von 13'483 Franken im Zieljahr 1948. Bei einem solchen Einkommen hätte der VW Käfer rund die Hälfte eines Jahreslohns gekostet.
Benzinpreis 1950
Ein Liter Benzin kostete 1950 62 Rappen. Gemäss dem Konsumentenpreisindex (KPI) entspricht dieser Preis einem von 2.95 Franken von 2009, gemäss dem Historischen Lohnindex (HLI) einem von 5.98 Franken von 2009.
