Beispiele frühneuzeitlicher Preise, Löhne und Lebenshaltungskosten
Die angeführten Beispiele zu Preisen, Löhnen und Lebensunterhaltskosten entstammen einem umfangreichen Karteikarten-Sammelsurium aus dem Nachlass des Numismatikers Martin Lory. Dieses Material wurde uns freundlicherweise von Daniel Schmutz, Numismatiker am Historischen Museum Bern, zur Verfügung gestellt.
Ziel dieser Zusammenstellung ist es, einen anschaulichen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Zeit zu vermitteln und greifbar zu machen, welche Kaufkraft mit dem jeweiligen Wert einer Münze tatsächlich verbunden war. Auf diese Weise wird nachvollziehbar, was es konkret bedeutete, einen bestimmten Geldwert in der Hand zu halten.
16. Jahrhundert
Beispiel 1
▸ 1519
Für 2 Batzen konnte das bernische Bürgerrecht erworben werden.
Berner Staatsbuch 1968, S. 48.
Beispiel 2
▸ 1565
Der Rat zu Bern bestimmt Taglöhne:
- Zimmerleute
- Knecht — 6 Schilling
- Meister — 7 Schilling
- Steinhauer
- Meister — 8 Schilling
Schaer-Ris, Adolf: Thuner Stadtsschulen 1920, S. 57.
Beispiel 3
▸ 1591
1 Saum Riedwein galt 7 Kronen, 1 Saum Thunerwein 8½ Kronen.
Lohner, Karl F. L.: Chronik der Stadt Thun 1935, S. 134.
17. Jahrhundert
Beispiel 4
▸ 1623
Räth und Bürger den 13. Septemb. erkennt, den Saltz-Gewerb zu ihren Handen zu nehmen, und zu Stadt und Land zu versehen, und ein Vierling Saltz um 25 Batzen zu verkauffen, da zuvor das Saltz offt theur, offt wolfeil, und öffters gar grosser Mangel ware, und ein Vierling ordinari 35 Batzen galte.
[Kommentar Mader: Am 13. September übernahm die Stadt den Salzhandel, um den Salzpreis von 35 Batzen auf 25 Batzen zu senken.]
Gruner, Johann Rudolf: Deliciae urbis Bernae 1732, S. 387.
Beispiel 5
▸ 1653
Die Berner Regierung konfiszierte das Vermogen des reichen Ueli Flückiger zu Flückigen im Rohrbachgraben, nachdem er im Bauernaufstand als Rebell hingerichtet worden war: Nach Abzug der Passiven fiel dem Staat ein Betrag von 15 '589 Pfund zu.
Schätzungen:
- Haus und Hof mit Matten, Feldern, Holz, Garten, Weiden usw. 7000 Pfund
- 8 Mäder Matten mit Scheune 2400 Pfund
- Haustiere
- 7 Pferde zu 533 1/3 Pfund
- 6 Stiere und 5 Kühe zu 200 Pfund
- 5 hürige Kälber zu 50 Pfund
- 3 jährige Kälber zu 40 Pfund
- 4 Schweine zu 53 1/3 Pfund
- 12 Schafe zu 20 Pfund
[Anm. Mader: nur ein Teil des Besitzes]
Flückiger, Gertrud: Flückiger-Chronik 1994, S. 267-271.
Beispiel 6
▸ 1683
1683 galt eine währschafte [Anm. Mader: tüchtig, zuverlässig] Kuh 15 Kronen [...].
Berner Zeitschrift 1963, S. 41.
18. Jahrhundert
Beispiel 7
▸ 1709
Anno 1709 ist ein solcher kalter Winter gewesen, dass kein alter Mann sich an eine solche Kelte mag besinnen, darauf hat gefolget eine grosse Teürung, und Hungersnoth, es hat in diesem Jahr kein Wein gegeben. Der Landwein hat gölten 6 Batzen, der Reifwein 7 Batzen jede Mass, und man hat widrum seyen müssen; es hat wenig korn geben, der Kernen hat gölten 21 Batzen...
Thuner Tagblatt 30.01.1978, S. 4.
Beispiel 8
▸ 1737
Bd 854/Johann Otth's letzte Rechnung vom 27. Mertz 1737 bis zu seinem Wegzug. Gebüsst wurden:
- ein Samuel Wäber von Bargen welcher dem Küher Ulli Schenk am Arbärger Märit Lump gesagt - um 3 Pfund Ihr Gn Antheil ist 1 Pfund
- Jacob Kreps von Büel der zu Arberg im Wührtshus byr Cronen dem Heimberg von Landerswyl ein Saltzsäkli genommen darinnen ein Fürtuch ware neben 14stündiger Gefangenschafft bebüsst um 10 Pfund.
- Niclaus Arn von Mertzwyl, welcher des Niclaus Arns des jüngeren Knabli von 9 Jahren geschlagen, dass es geblutet um 3 Pfund ...
- Jacob Wannenmacher von Kertzers der dem Peter Hurni von Fräscheltz zu Kallnach im Wührtshus mit einem Steken ein Loch in Kopf geschlagen um 16 Pfund ...
- Hans Sutter und Bendicht der Sohn wegen gemachter Schmidarbeit wider ertheiltes hochoberkeitliches Privilegium, auf Erklagung der Schmiden gebüsst um 5 Pfund und Hans Niggeler von gleicher Ursach.
- Küffer Gohl, welcher dem Hans Herli zu Aarberg gesagt, wann er das rede so rede er nicht wie ein Bidermann - gebüsst um 1 Pfund allhar ein Drittel.
- Im gleichen Band findet sich auch noch die Eintragung was für die Bewachung des Bagage des «Erbprintzen von Hesp sen-Cassel» der mit seinem Gefolge in Aarberg nächtigte - die Wache bestund aus 1 Wachtmeister und 4 Soldaten.
Der Bund 17.09.1977, S. 25.
Beispiel 10
▸ 1788
Wie ein grosses Hinderniß in der Verbesserung des Schulwesens die schlechte Besoldung sey, und was durch Vermehrung des Soldes könne gewonnen werden, das zeigt mir eigene Erfahrung bey meiner jezigen Gemeinde [Anm. Lory: Gemeinde Lenk] . Es sind in derselben fünf Schulen. Zu wenig für ihre Weitläufigkeit und Größe. In die gröste sollten immer 90 bis 100 Kinder kommen. Der Schulmeister derselben hatte bis zum vorigen Jahre 19 Kronen Besoldung, und kann die Schule im Gemeindschulhaus halten. Die Anderen hatten 12 bis 14 Kronen, und müßen ihre eigene Häuser zum Schulhalten hergeben, oder Andere auf ihre Unkosten miethen. Für diesen so geringen Sold hatten sie 16 bis 20 Wochen täglich 4 und 5 Stunden die Schule.
Berner Zeitschrift 1978, S. 52.
