Geldsystem der Frühen Neuzeit

Neben dem Glossar vermittelt dieser Abschnitt grundlegende Informationen über das Geldsystem der Frühen Neuzeit (1500-1798), einer Zeitspanne, in der keine markanten Veränderungen im Aufbau des Geldsystems stattfanden. Die folgenden Ausführungen bieten einen kurzen Einblick in eine Geldwelt, die sich von der heutigen stark unterscheidet.

Charakteristiken der Münzen

Für damaligen Münzen waren mehrere Aspekte relevant, die sie von heutigen Münzen drastisch unterscheiden. Erstens besassen Münzen einen Warencharakter. Sie konnten als Geldstücke eines bestimmten Münzherrn oder als Metallstücke mit einer bestimmten Menge Edelmetall gehandelt werden.Daher hatte der Wert des Edelmetalls, welches in allen Münzen mehr oder weniger vorhanden war, einen grösseren Einfluss auf die Tauschverhältnisse als die Sorte der Münzen selbst. 

Eine zweite Charakteristik war der Bimetallismus. Wie auch im Rechner zu finden, existierten Goldmünzen und Silbermünzen ohne ein fixes Tauschverhältnis nebeneinander. Dieses Tauschverhältnis der Edelmetalle änderte sich je nach dem aktuellen Warencharakter. 

Eine dritte wichtige Charakteristik war die Mobilität der Münzen. Heutige Münzen sind immer auf ein bestimmtes Territorium gebunden. Zwar sind diese wie z.B. beim Euro manchmal sehr gross, aber wieder andere wie bei der Tschechische Krone sehr begrenzt. Diese Grenze verschwimmt heute mit der Möglichkeit zu digitaler Zahlung, aber der Verwendung von Banknoten und Münzen sind feste Grenzen gesetzt. In der Frühen Neuzeit war dies nicht der Fall. Eine Münze, egal in welcher Prägungsstätte hergestellt, konnte ohne Probleme in verschiedenen Ländern als Zahlungsmittel eingesetzt werden. Besonders grobe und/oder bekannte Sorten konnten ebenfalls aufgrund ihres Warencharakters sehr weitläufig sein. Wenn ein Händler eine bekannte französische Goldmünze bekam, hatte er keinen Grund diese abzulehnen, da ihr Wert hauptsächlich von ihrem Edelmetall kam und keine staatliche Berechtigung benötigte. Die Schweiz war kein einheitliches Münzhoheitsgebiet und hatte bis zu 30 Münzherren (Münzproduzenten). Trotzdem zirkulierte seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine beträchtliche Anzahl fremder Münzen in der Schweiz, da die Schweiz nicht genügend Edelmetallressourcen hatte und damit an Münzrohstoffarmut litt. 

Anforderungen an Münzen

Für spezifische Informationen zu groben Sorten, Rechnungsmünzen etc. kann das Glossar verwendet werden. An dieser Stelle werden stattdessen einige Eigenschaften erläutert, die all diese Geldarten erfüllten oder erfüllen mussten. Wichtig war beispielsweise das Passagiergewicht (Minimalgewicht), das eine Münze haben musste, damit mit ihr gehandelt werden konnte. Auch das Remedium (Fehlergrenze) beeinflusste die Existenz der Münzen. Dabei handelt es sich um die erlaubten Gewichtsunterschiede bei Münzen gleicher Prägung. Grundsätzlich gilt die Schlussfolgerung: je kleiner die Sorte, desto grösser war das erlaubte Remedium. Für das Feingewicht und das Nominalgewicht einer Münze somit galten unterschiedliche Anforderungen.

Das Gewicht der Münzen unterlag dem Problem der Abnutzung. So verloren Münzen durch häufige Nutzung an Gewicht und dadurch an Wert. Goldsorten wurden tendenziell zu stark abgewertet, während Silbersorten und feinere Goldsorten eher zu schwach abgewertet wurden. Das führt dazu, dass Silbersorten und auch feinere Goldsorten mit ihrer unterdurchschnittlichen Abwertung durch die Abnutzung eher an Wert zunahmen. 

Neben diesen obligatorischen Messungen hing die Qualität einer Münze von folgenden Punkten ab:

  • Legierung: Dies war der Zusatz von Kupfer oder Silber zu einer Goldmünze oder von Kupfer zu einer Silbermünze. Sie mussten bestimmten Mischverhältnissen entsprechen und hatten Einfluss auf das Gesamtgewicht
  • Umfang: Durchmesser und Dicke einer Münze sollten möglichst gleichmässig sein, d.h. eine gute Proportion zwischen Umfang, Dicke und Raugewicht wurde angestrebt
  • Gepräge: Dieses betraf das Münzbild, die Schrift und den Münzrand; je klarer die Auskunft sichtbar bzw. lesbar war, desto besser.

Produktion

Zu den Produktionskosten der Ausmünzung, besonders zu den fixen Kosten, ist wenig bekannt. Informationen zu den variablen Kosten sind besser dokumentiert und enthalten hauptsächlich Angaben zum Preis von Kupfer, zum Macherlohn (Verarbeitungskosten des Rohmaterials in fertige Münzen) sowie zur Verpachtung des Münzrechts. Zudem können einige Grundaussagen über die Produktion gemacht werden. So konnten Goldmünzen billiger produziert werden als Silbermünzen und grobe Sorten billiger als kleine Sorten. Generell war die Münzproduktion in der Schweiz nicht sehr lukrativ, und kleine Betriebe oft eingingen.

Ausmünzung

Tabelle zu Qualitätsmerkmalen der frühneuzeitlichen Münzen in Anbetracht der zunehmenden Mechanisierung der Ausmünzung (Furrer 1995).
Qualitätsmerkmale der frühneuzeitlichen Münzen in Anbetracht der zunehmenden Mechanisierung der Ausmünzung (Furrer 1995).