Konsumentenpreisindex KPI
Definition
Der Konsumentenpreisindex ist der Standardindex bei der Ermittlung von inflationsbereinigten Geldwerten. Dieser Index errechnet den Preis für einen repräsentativen Warenkorb von Konsumgütern und Dienstleistungen relativ zu einem Referenzjahr. Er zeigt die Preisentwicklung eines für private Haushalte charakteristischen Sortiments von Waren und Dienstleistungen bezogen auf ein Jahr auf und gibt an, in welchem Umfang der Warenkorb teurer oder billiger geworden ist.
Probleme
Der KPI ist für Vergleiche über längere Zeiträume hinweg weniger geeignet, da sich der Inhalt seines Warenkorbs jeweils stark verändert. Vor einem Jahrhundert umfasste der Warenkorb hauptsächlich Nahrungsmittel und Heizmaterial. Seitdem sind jedoch Mietpreise und zahlreiche Dienstleistungen eingeschlossen worden. Besonders vor 1890 war der Warenkorb sehr klein. Je länger der Untersuchungszeitraum, desto problematischer wird deshalb das Resultat bei Verwendung des KPI.
Anwendung
Für den Vergleich zwischen Preisen von Waren in Bezug auf private Haushalte ist der KPI am besten geeignet. Dabei geht es vor allem um Grundbedarf wie Lebensmittel oder Kleidung.
Konstruktion
Laspeyres-Formel
Die meisten KPI werden mit der Laspeyres Formel berechnet. Diese sorgt dafür, dass Waren anhand ihrer relativen Wichtigkeit im Haushalt gewichtet werden. Jedoch lässt diese Berechnung keine Anpassung an Gewichten zu, weshalb oft mit Kettenpreisindizes gerechnet wird. Dabei wird die homogene Reihe unterbrochen und der Warenkorb angepasst. Es entsteht so eine Kette von mehreren Laspeyres-Indizes.
Historischer Konsumentenpreisindex (HKPI) 1601-1914
Da vor 1914 (Index 100=1914) keine Daten vom Bund zur Verfügung stehen, ist für den Datenrechner ein Historischer Konsumentenpreisindex (HKPI) zusammengestellt worden. Die Lebensmittelpreise dieser Zeit konnten stark variieren, weshalb der HKPI bis 1914 durch einen Trend geglättet wurde. Aufgrund fehlender gesamtübergreifender Studien wird er aus folgenden Zeitabschnitten zusammengesetzt:
- 1601-1800: KPI aufgrund von Kornpreisen aus verschiedenen Regionen der Schweiz
- 1801-1890: KPI aufgrund von zwölf Gütern berechnet
- 1890-1914: bereits bestehende Studie von Gross et al. (1982), Korbprinzip mit Fokus auf der Deutschschweiz
Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) 1914-heute
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK), erstellt vom Bundesamt für Statistik (BFS), der für die Zeit nach 1914 genutzt wird, beruht auf der Laspeyres-Formel. Gesundheitskosten sind nicht inbegriffen, was seine Aussagekraft etwas schmälert. Im Rahmen der LIK-Revision 2000 hat das BFS entschieden, die Gewichtung des LIK-Warenkorbs jährlich zu aktualisieren, um die Konsumstruktur der Haushalte möglichst akkurat zu erfassen. Seither werden die Gewichtungen der einzelnen Ausgabenposten jedes Jahr im Dezember aktualisiert. Für den LIK bietet das BFS zwei LIK-Teuerungsrechner an. Der Rechner für individuelle Haushaltsbeträge geht bis 2000 zurück, während der allgemeine Teuerungsrechner bis 1914 reicht.
Verlauf
Verschiedene Berechnungen eines HKPI führten jeweils zu abweichenden Ergebnissen des Preisniveaus. Trotz unterschiedlicher Zahlen geben die Indizes jedoch einen ähnlichen Verlauf wieder. Es ist wichtig anzumerken, dass es sich bei jeglichen Angaben immer um Schätzungen handelt.
Das Preisniveau sank in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert, bevor es im Zuge der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu steigen begann. Der KPI blieb im 19. Jahrhundert langfristig auf demselben Niveau. Allerdings war der HKPI im späten 19. Jahrhundert zeitweise rückläufig.
Der Wert von 1800 wird erst von 1911 an dauerhaft übertroffen. Nach 1955 gab es einen Anstieg in der Inflation, die in den vorherigen Jahrzehnten eher gering war. Diese nimmt erst nach 1995 wieder deutlich ab.
