Beispiele für den Historischen Lohnindex (HLI)

Historischer Lohnindex

Berner Spitzensaläre 1820

Die Oberamtmänner (patrizische Vorgänger der Regierungsstatthalter vor 1831) verdienten 1820 3'500 bis 6'080 Franken. Der Historischen Lohnindexes (HLI) berechnet für das Jahr 2009 einen Betrag von 409'000 bzw. 711'000 Franken.

Baukosten des 1833 erbauten neuen Schulhauses in Biembach (Emmental)

Die Ausgaben für das Land betrugen insgesamt 1098,15 Livres (Suisses). Da Preise für Bauland im Vergleich zu Lebensmittelpreisen seither weitaus stärker angestiegen sind, wird der Historische Lohnindex (HLI) verwendet, was auf 127'500 Franken von 2009 führt. Das Ergebnis 19'534 Franken, welches sich nach dem Konsumentenpreisindex (KPI) berechnen lässst, ist weniger realistisch. Insgesamt kostete der Bau 1833 einschliesslich der gelieferten Naturalien in Form von Holz 5324 Livres oder 2009 mit dem HLI 616'000 Franken, wobei wohl ein Teil der Arbeitsleistung von den Gemeindeangehörigen im Gemeinwerk unentgeltlich erbracht wurde. Der 1842 angestellte Schulmeister erhielt einschliesslich Wohnrecht (1 Zimmer) und Holz („Heizung“) einen Jahreslohn von 120 Pfund oder gemäss dem HLI 10'548 Franken im Jahr 2009.

Basler Professorengehalt 1834

Das Gehalt eines Professors an der Universität Basel betrug 1834 1'600 Franken pro Jahr. Die Verwendung des Historischen Lohnindexes (HLI) führt auf 183'000 Franken von 2009. Dies legt nahe, dass die Professorengehälter seit 1834 etwas stärker gestiegen sind als die Tagelöhne von Maurern, auf denen die Erstellung des HLI beruht.

Sparsame Frauen

Barbara Obrecht, Gartenmagd im Schloss Wangen, eröffnete 1824 ein Konto bei der Ersparniskasse Wangen und legte bis 1856 Ersparnisse von 3'607.80 Franken zusammen. Da diese Sparbatzen vom Barlohn abgezweigt wurden, liegt die Anwendung des Historischen Lohnindexes (HLI) nahe. Das Ergebnis – 372'000 Franken von 2009 – erstaunt umso mehr, als keinerlei Steuern auf den Zinsen erhoben wurden und die Inflation über die gesamte Periode hinweg nur etwa 2% betrug (Bläuer 2009)

Schäden der Hochwasser 1868 und 1987

Die verheerenden Hochwasser vom Herbst 1868 richteten in den Kantonen Uri, Graubünden, Tessin und Wallis Schäden im Wert von 13,7 Millionen Franken an und führten zu 50 Todesfällen. Die Anwendung des Historischen Lohnindexes (HLI) ergibt 2009 eine Summe von 1,026 Milliarden Franken. Mit dem HLI berechnen lassen sich auch die Spenden des Schweizervolkes für die Opfer der Überschwemmungen 1868 im Umfang von 3,2 Millionen Franken (Pfister 2002), was auf den Spitzenwert von 240 Millionen Franken von 2009 führt. Die Hochwasser vom August 1987 verursachten Schäden von 1,2 Milliarden Franken oder 1,897 Milliarden Franken 2009 an und forderten acht Tote. In der höheren Schadensumme von 1987 äussert sich nicht zuletzt die höhere Wertedichte im Vergleich zu 1868 (Pfister 2009).

Börsenverluste von Eisenbahnpapieren 1877

Die Wirtschaftskrise der 1870er Jahre riss die Aktienkurse der Bahnen in den Keller. „Bis 1877 summierten sich die Wertberichtigungen auf 443 Millionen Schweizer Franken, allein die Linie der bankrotten Nationalbahn verbrannte 64 Millionen Schweizer Franken und ging für lächerliche vier Millionen Schweizer Franken in den Besitz der (Nordostbahn) NOB über.“ (Frey, Vogel 1997:180) Rechtfertigen lässt sich hier die Verwendung des Historischen Lohnindexes (HLI), weil die Kosten von Infrastrukturanlagen zur Hauptsache auf Löhne, Material und Kapitalzinsen fallen. Andererseits ist auch der BIP-Index relevant, da es sich um volkswirtschaftliche Grössen handelte. Die genannten Zahlen werden in der folgenden Auflistung aufgearbeitet.

  • 443 Millionen Wertberichtigungen: 23,3 Milliarden (HLI), resp. 132 Milliarden Franken von 2009 (BIP Index)
  • 64 Millionen Verluste der Nationalbahn: 3,4 Milliarden (HLI), resp. 19,1 Milliarden Franken von 2009 (BIP-Index)
  • 4 Millionen für die Nordostbahn: 210 Millionen (HLI), resp. 1,19 Milliarden Franken von 2009

Baukosten des Gotthard-Eisenbahntunnels 1882

Der Bau des 1882 eröffneten Gotthard-Bahntunnels kostete 67 Millionen Franken (Kuoni 1996). Da die Baukosten vor allem auf Löhne, Material und Zinsen fallen, ist die Verwendung des Historischen Lohnindexes (HLI) am ehesten angemessen. Sie führt auf 3,67 Milliarden Franken von 2009 oder 120 Millionen Franken pro Kilometer. Die Kosten lagen damit etwas unterhalb jener für den Simplon und den ersten Lötschberg-Tunnel.

Albert Einstein im Jahr 1947

Einsteins Lohn als Beamter am Berner Patentamt

Albert Einstein verdiente im Jahr 1909 4500 Franken als Beamter des Berner Patentamt. 2009 würde sich das durch den Historische Lohnindex (HLI) auf einen Lohn von 161'508 Franken belaufen (Pfister, Studer 2010).

Kantonale Steuergelder zur Ausrottung von Beutegreifern

Viele Kantone vergaben bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Prämien zur Vernichtung von so genanntem „Raubzeug“, für deren Umrechnung der Historische Lohnindex (HLI) am ehesten angemessen ist. Für einen erlegten Bären, Wolf oder Luchs zahlte etwa die Bündner Jagdverwaltung 1876 100 Franken oder auf 2009 umgerechnet 5'183 Franken, für einen Bartgeier 15 Franken, umgerechnet 777 Franken, für einen Adler 10 Franken, umgerechnet 508 Franken. 1903 wurde auch das Ausnehmen des Geleges von Adler und Bartgeier mit 10 Franken oder 420 Franken von 2009 pro Ei belohnt, was für Jugendliche ein lohnendes Taschengeld war (Schmid 2010).