Limitationen
Methodik: Berechnung von fehlenden Zahlen
Im diesem Abschnitt werden sämtliche Datenquellen und Umrechnungen vorgestellt, die dem Rechner zugrunde liegen. Ziel ist es, die Berechnungsschritte transparent und nachvollziehbar darzustellen. Zur Veranschaulichung wurden die zugrunde liegenden Tabellen direkt integriert.
Tabelle «Die Währungen im Stadtstaat Bern»
Die Tabelle «Währungen im Stadtstaat Bern» erfasst sämtliche im eidgenössischen Ort Bern verwendeten Währungen sowie deren gegenseitige Tauschverhältnisse. Sie dient damit als Ausgangspunkt für den Historischer Geldwertrechner für Einzelwerte. Die Daten stammen aus dem Werk «Währungen und Sortenkurse in der Schweiz – Systèmes monétaires et cours des espèces en Suisse – Sistemi monetari e corsi delle specie in Svizzera, 1600–1799» von Martin Körner, Norbert Furrer und Nikolaus Bartlome (2001).
Tabelle «Die Kurse der Silber- und Goldsorten im Stadtstaat Bern»
Eine zentrale Rolle spielt zudem die Tabelle «Kurse der Silber- und Goldsorten im Stadtstaat Bern». Sie enthält die jährlichen Werte der wichtigsten Münzsorten, angegeben in Batzen, und wird im Rechner für die quellenbasierten Berechnungen herangezogen. Dabei wird unterschieden zwischen realen Marktwerten und amtlichen Taxierungen, die entsprechend gekennzeichnet sind. In einzelnen Fällen werden die Werte durch Sonderzeichen zusätzlich präzisiert. Auch diese Angaben gehen auf das Werk von Körner, Furrer und Bartlome zurück.
Tabelle «Leitsorten im Stadtstaat Bern»
Ergänzend dazu zeigt die Tabelle «Leitsorten im Stadtstaat Bern», welche Münzsorten in bestimmten Zeiträumen besonders gebräuchlich waren. Wie bereits zuvor wird auch hier zwischen realen Marktwerten und amtlichen Taxierungen unterschieden. Die Zusammenstellung stützt sich auf Norbert Furrers Werk «Schriftkunde und Textedition» (2016) und dient als Referenz für die Auswahl einer sogenannten Leitsorte.
Tabelle «Die jährliche Leitsorte»
Für jedes Jahr wurde genau eine solche Leitsorte definiert. Die Auswahl erfolgte nach klar abgestuften Kriterien:
Vorrang hatten stets Sorten mit direkt belegten, quellenbasierten Werten. Gab es mehrere geeignete Kandidaten, wurde jene Sorte bevorzugt, die über die Zeit hinweg möglichst konstant verwendet wurde. Fehlten entsprechende Werte, wurde die Sorte gewählt, deren nächster bekannter Wert zeitlich am nächsten lag – wobei im Zweifelsfall der frühere Wert berücksichtigt wurde. Zusätzlich wurde darauf geachtet, Sorten mit unklaren Angaben oder Sonderzeichen nach Möglichkeit zu vermeiden, selbst wenn dadurch das Kontinuitätsprinzip teilweise aufgegeben werden musste.
Die resultierende Tabelle enthält pro Jahr den Wert und die Bezeichnung der gewählten Leitsorte sowie Angaben dazu, ob es sich um einen realen oder amtlichen Wert handelt. Ergänzt wird dies durch Hinweise auf mögliche Sonderzeichen und eine Kennzeichnung für berechnete Werte, etwa bei interpolierten Daten oder bei häufigen Änderungen, wie sie während der Kipper- und Wipperzeit (siehe dazu HLS-Artikel: Währungsbewertung) auftreten. Die direkt aus Quellen stammenden Werte sind zur besseren Orientierung mit grüner Farbe hervorgehoben.
Tabelle «Die Proportionen der groben Sorten des Stadtstaats Bern»
Eine weitere wichtige Grundlage bildet die Tabelle «Proportionen der groben Sorten des Stadtstaats Bern». Sie zeigt die Tauschverhältnisse zwischen den einzelnen Münzsorten. Sie basiert auf dem Werk «Das Münzgeld der alten Schweiz» von Norbert Furrer (1995).
Tabelle «Proportionen der groben Sorten in vollständiger Darstellung»
Die Angaben in der Tabelle «Proportionen der groben Sorten in des Stadtstaats Bern» wurden in einem nächsten Schritt zu einer vollständigen Darstellung erweitert. Fehlende Werte wurden automatisiert ergänzt, indem Umkehrwerte berechnet wurden. Dies erfolgte mithilfe eines VBA-Skripts (Visual Basic for Applications), einer von Microsoft entwickelten Skriptsprache zur Automatisierung von Abläufen in Office-Anwendungen. Auf diese Weise konnten wiederkehrende Berechnungen effizient durchgeführt werden.
Abschliessend wurden die Werte vereinheitlicht. Da lange Dezimalzahlen sowohl unpraktisch sind als auch historisch kaum verwendet wurden, blieben einfache, gut lesbare Brüche (bis zu einem Zehntel) erhalten, während alle übrigen Werte auf zwei Dezimalstellen gerundet wurden. Dadurch entsteht eine konsistente und zugleich historisch plausible Datengrundlage für den Rechner.
Die Tabelle «Zusammengetragene Werte für Münzsorten»
In einem weiteren Schritt wurde eine konsolidierte Datengrundlage für den Rechner erstellt. Ziel war es, sämtliche in der Tabelle «Proportionen der groben Sorten des Stadtstaats Bern» erfassten Münzsorten abzubilden und ihnen für jedes Jahr entsprechende Werte zuzuweisen. Die quellenbasierten Werte aus der Tabelle «Kurse der Silber- und Goldsorten im Stadtstaat Bern» wurden vollständig übernommen. Für Sorten bzw. Jahre ohne direkte Quellenangaben wurden die Werte proportional aus der jeweils gültigen Leitsorte abgeleitet. Grundlage hierfür bildeten die Proportionen aus der Tabelle «Die Proportionen der groben Sorten in vollständiger Darstellung».
Die Berechnung erfolgte nach folgenden Prinzip:
Wert der gesuchten Sorte im Jahr t = Wert der Leitsorte im Jahr t x Proportion (Sorte/Leitsorte).
Diese Berechnungen wurden regelbasiert mithilfe eines VBA-gestützten Verfahrens durchgeführt, um eine konsistente Anwendung über alle Jahre hinweg sicherzustellen.
Zur Sicherung der Nachvollziehbarkeit wird die Herkunft und Bearbeitungsstufe jedes Wertes über ein Farbsystem dokumentiert. Die Legende unterscheidet fünf Kategorien der Wertherkunft sowie zusätzliche Warnmarkierungen.
- LS quellenbasiert (indirekt quellenbasiert): Die Leitsorte ist quellenbasiert belegt; nachgelagerte Werte bei den restlichen Sorten werden über Proportionen abgeleitet.
- LS interpoliert (indirekt interpoliert): Die Leitsorte wird für ein Jahr innerhalb der Leitsorten-Reihe interpoliert; darauf basieren proportionale Ableitungen zu restlichen Sorten.
- LS berechnet (indirekt quellenbasiert berechnet): Die Leitsorte liegt nicht direkt quellenbasiert vor, sondern wurde aus quellenbasierten Leitsorten-Informationen berechnet.
- Original quellenbasiert (direkt quellenbasiert): Der Wert ist unmittelbar aus der Quelle übernommen.
- LS direkt interpoliert (direkt interpoliert): Interpolation eines direkt belegten Wertes (nur bei Leitsorten möglich).
Zusätzlich werden Warnfarben verwendet für Fälle, in denen keine geeignete Proportionen zur Leitsorte vorhanden ist oder die berechneten Werte stark von den quellenbasierten Werten abweichen. Diese Markierung weist darauf hin, dass eine proportionale Ableitung nicht möglich war und daher eine alternative methodische Lösung erforderlich wurde (bspw. durch direkte Interpolation innerhalb der Tabelle «Zusammengetragene Werte für Münzsorten»).
Nach der proportionalen Ableitung wurde eine moderate Glättung der modellbasierten Werte vorgenommen, um unplausible Sprünge zu reduzieren und die Vergleichbarkeit der Zeitreihe zu verbessern. Die Glättung wurde KI-gestützt durchgeführt und durch strikt methodische Vorgaben begrenzt:
- Rundung der nicht-quellenbasierten Werte auf Viertel (0.25).
- Fett markierte, quellenbasierte Originalwerte bleiben unverändert (Fixpunkte).
- Glättung betrifft ausschliesslich berechnete bzw. interpolierte Werte und darf die zugrundeliegende Quellenlogik nicht übersteuern.
Die Viertelrundung dient der Vermeidung von Scheingenauigkeit und verbessert die Lesbarkeit.
Die Endtabellen «Goldsorten 17.-18. Jahrhundert» und «Silbersorten 17.-18. Jahrhundert»
In den Endtabellen wurden die verschiedenen Informationsebenen zusammengeführt, um die Herkunft jedes Wertes vollständig transparent zu halten. Erfasst sind insbesondere:
- Jahreszahl
- Berechneter Wert aus der Tabelle ««Zusammengetragene Werte für Münzsorten»
- Verwendete Leitsorte
- Einordnung des Wertes (amtlich, real, [real, amtlich])
- Kennzeichnung der Herleitung (Quelle, Berechnung, Interpolation).
- Originalwerte
- Bemerkungen/Sonderfälle, insbesondere dort, wo Proportionen fehlen oder zusätzliche Informationen nötig sind.
Die resultierenden Tabellen vereinen damit sowohl die quellenbasierten Befunde als auch Näherungswerte. Letztere sind ausdrücklich nicht als neue Quellenwerte zu verstehen, sondern als methodisch kontrollierte Rekonstruktion, dir der Analyse und Visualisierung historischer Kursentwicklungen dienen.
Aufarbeitung der Indizes
Es handelt sich bei allen Angaben der Rechner um Schätzungen. Dies ist bei historischen Geldwertrechnungen aus verschiedenen Gründen unumgänglich. Erstens sind nicht annähernd genügend Werte vorhanden, um spezifische Resultate zu erhalten. Zweitens lässt sich der Übergang von verschiedenen Geldsorten, die untereinander gehandelt wurden, zu einer einheitlichen Währung nur schwer präzise erfassen.Neben fremden Geldsorten und fremden Geldsystemen stehen aber auch die Indizes im Mittelpunkt. Deren Schwächen werden im folgenden Abschnitt kurz erläutert, um eine möglichst transparente Arbeitsweise zu gewährleisten.
Die einzelnen Indizes haben Schwächen, die spezifisch nur für sie gelten. Allerdings fehlt bei allen von ihnen eine lückenlose Messung. Da die Statistik erst im 20. Jahrhundert an Bedeutung gewann, mussten alle übrigen Zahlen geschätzt werden. Dies ist die erste mögliche Fehlerquelle. Weiter ist in keinem Fall von 1500 bis zum Start von statistischen Aufzeichnungen durch den Staat eine durchgehende Schätzung vorhanden. Stattdessen haben sich historische Studien meist auf einen kürzeren Zeitabschnitt fokussiert und eine eigene Berechnung hergeleitet. Dies führt zur zweiten möglichen Fehlerquelle, dem Zusammenfügen von Werten, die nicht mit der gleichen Methodik berechnet wurden.
Konsumentenpreisindex (KPI)
Im Falle des KPI gilt es vier Phasen zu unterscheiden, die auf verschiedenen Berechnungsarten basieren. Der Warenkorb, der dem KPI zugrunde liegt, führt zu einer zusätzlichen Ungenauigkeit, da dieser bei jedem Berechnungsversuch anders zusammengesetzt wurde.
- 1501-1800: Der Warenkorb des KPIs besteht ausschliesslich aus Korn, nämlich Roggen, Dinkel und Weizen. Mit verschiedenen Kornpreisen aus verschiedenen Regionen der Schweiz wurde versucht ein Bild der damaligen Konsumlandschaft zu erstellen. Kreiert wurde er von Studer und Schuppli (2008). Dieser Index ist aufgrund seiner begrenzten inhaltlichen Vielfältigkeit mit besonderer Sorgfalt zu interpretieren.
- 1801-1890: Dieser Warenkorb enthält zwölf Güter (Ackerbohnen, Brot, Butter, Kerzen, Lampenöl, Käse, Tuch, Eier, Brennholz, Fleisch, Seife und Wein) und basiert ebenfalls auf Studer und Schuppli (2008). Er wurde allerdings nicht aufgrund von spezifischen Konsumgewohnheiten von Schweizerinnen und Schweizern errechnet, sondern für eine internationale Vergleichbarkeit. Weiter ist seine Zusammenstellung etwas zu "vormodern" für eine Gesellschaft im 19. Jahrhundert, denn Mieten wurden nicht miteingeschlossen. Die genutzten Preise stammen aus Zürich.
- 1890-1914: Diese Zeitspanne wurde im vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Projekt "Reallöhne schweizerischer Industriearbeiter von 1890-1921" von Gross et al (1982) erstellt und fokussiert sich auf die industrialisierten Gebiete in der Deutschschweiz. Dabei steht ein fixer Warenkorb für das Jahr 1910 für die ganze Zeitspanne zur Verfügung.
- LIK 1914-heute: Ab 1914 begann der Bund mit einer eigenen Aufzeichnung des Landesindex für Konsumentenpreise (LIK). Diese Zahlen können als sicher betrachtet werden, da sie nicht auf Schätzungen basieren. Jedoch wurden bei dieser Reihe die Waren im Korb immer wieder verändert. Er begann mit Nahrungsmitteln, Brenn- und Leuchtstoffe sowie Bekleidung. Diese drei Gruppen wurden bei den späteren Revisionen immer wieder erweitert.
Weitere Informationen: Bundesamt für Statistik (BFS)
Historischer Lohnindex (HLI)
Für den Historischen Lohnindex gibt es nur zwei Berechnungsarten, welche zusammengesetzt wurden. Dies macht diesen Index etwas einheitlicher, zudem braucht es für die Zusammenstellung eines Lohnindexes sehr viel weniger Informationen als für einen KPI. Allerdings ist die Zeitspanne des HLI um einiges kürzer.
- HLI 1800-1939: Der HLI wird mit Datenreihen aus Basel und Zürich konstruiert. Seit ab 1939 der Schweizerische Lohnindex (SLI) einsetzt, läuft der HLI sehr parallel zu ihm. Dies steigert die Plausibilität des HLI generell.
- SLI 1939-heute: Ab 1939 steht der SLI des Bundes zur Verfügung, der erstmals 1942 publiziert wurde. Bei diesem wurden bis heute verschiedene Revisionen vorgenommen worden, wobei immer wieder mit einer frischen Basis (=100) gerechnet wurde. Die Revisionen geschahen 1993, 2010 und 2020, wobei 1993 für den HLI von SWISSTOVAL die wichtigste war. Ab diesem Zeitpunkt wurde nicht mehr zwischen einzelnen Berufsgruppen unterschieden; die Berufsgruppe «Maurerinnen und Maurer» wurde zu «allen im Bau Beschäftigten» gewandelt. Dies machte den SLI inkompatibel mit dem HLI, weswegen ab 1994 auf den HLI verzichtet und nur noch der SLI verwendet wurde.
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Das BIP und demnach auch das BIP pro Kopf sind im Gegensatz zu einem Lohnindex wieder sehr komplexe Messungen. Die BIP-Messung durch den Bund startet freilich erst 1981 und alle früheren Zahlen, auch wenn sie vom BFS selbst stammen, sind Schätzungen. Der folgende Index hat ähnlich wie der KPI das Problem der Kontinuität, da verschieden berechnete Indizes zusammengeführt werden.
- 1851-1913: Die früheste Messung beginnt für das Jahr 1851 und wurde im Rahmen des SNF-Projekts „Geldmenge und Wirtschaftswachstum in der Schweiz, 1850-1913“ (1986-1988) von Hansjörg Siegenthaler erläutert. Für die Berechnung wurde ein grosses Datenset genutzt, das aus dem Wert der Warenproduktion und dem Ertrag der Dienstleistungssektoren Tourismus, Transport, Bankenwesen, Versicherungen, der Regierung und des Handels bestand. Dabei handelte es sich oft um Angaben von primären Quellen, Finanzierung direkt von den Firmen selbst. Aufgrund des Mangels an Geldern für das SNF-Projekt in den 1980ern und der prekären Datenlage zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Projekt eingestellt und nicht weiter als zum Jahr 1913 aufgearbeitet.
- 1914-1947: Für den Zeitraum von 1914 bis 1947 stehen die Berechnungen von Andrist, Anderson und Williams (2000) zur Verfügung. Die Jahrzehnte wurden in zwei Teile aufgeteilt, denen jeweils eine andere Datengrundlage für die Berechnung zugrunde liegt. Wichtig anzumerken ist, dass sich die Rechnungsarten auch innerhalb der verschiedenen Phasen leicht unterscheiden. 1914-1929 dienten die Hotelbranche, die Schweizer Eisenbahn und die Industrieproduktion als Basis. Für die zweite Phase von 1930-1947 war das jährliche Wachstum des Nettonationaleinkommens bekannt und das BIP konnte anhand dessen berechnet werden. Die Resultate der Studie ergeben für das Jahr 1948 tiefere Zahlen als die vom Bund bereitgestellten Ergebnisse. Trotz dieser Abweichung sollte die Entwicklung, die in der Studie aufgezeigt wird, mit einer gewissen Fehlertoleranz als plausibel gelten.
- 1948 -1980: Im Jahr 1977 veröffentlichte das BFS jährliche BIP-Schätzungen, die bis 1948 zurückreichen.
- 1981-heute: 1981 begann das BFS mit der vierteljährlichen Berechnung des BIPs der Schweiz.
